Lukrez Biografie

Lukrez gilt aus heutiger Sicht als einer der größten römischen Dichter. In seinem Werk „de rerum natura“ versucht er im Gewand der Dichtung dem römischen Volk die Lehre des Epikurs nahe zu bringen. Diese Gesamtdarstellung der epikureischen Philosophie von Lukrez hat im entscheidenden Maße dazu beigetragen, das epikkureischen Denken späteren Jahrhunderten zu vermitteln und stellt neben einem Brief an Herodot die wichtigste Quelle epikureischer Physik dar.

Die epikureische Lehre versucht zum einen mittels der Atomistik das Weltgeschehen zu erklären oder wie Malte Hossenfeld es ausdrückt „gleichgültig“ zu machen und zum anderen rechtfertigt sie „das natürliche Streben nach Lust, nach Glück, nach Freiheit von Beunruhigung.“ Die Maxime der Epikureer war nicht das Streben nach höchsten Staatsämtern sondern das Leben im Verborgenen. „Dies wird dann auch einer der Gründe gewesen sein, die Cicero davon abhielten, dem Gedicht des größten unter den römischen Epikureern mehr als nur flüchtige Aufmerksamkeit zu gewähren…“ Gleichwohl gilt Cicero als Herausgeber von Lukrez’ „de rerum natura“, wahrscheinlich aber erst nach dessen Tod. Auch bei Vergil und Horaz finden sich starke epikureische Einflüsse.

Es scheint dieses Widersprüchliche im Lehrgedicht des Lurkez‘ zum Leben des gemeinen Bürgers von Rom gewesen zu sein, was zu den wenigen gesicherten Erkenntnissen über das Leben von Lukrez beigetragen hat und zu der verdienten Würdigung erst Jahrhunderte später. Aus literarischen Quellen ergibt sich ein Geburtsjahr zwischen den Jahren 98 und 94 v. Chr. Sind die Angaben zu seiner Geburt schon widersprüchlich, ergeben sich aus der Literatur überhaupt keine Angaben zu seinem Geburtsort, wie auch zu seiner Wirkungsstätte und den Ort seines Todes. Lediglich zu den Umständen seines Todes wahrscheinlich im Jahre 55 v. Chr. haben sich Legenden entwickelt.

Das Ziel von Lukrez war es also, zu einem befreienden Leben zu führen. Ein Leben ohne Zwang und Übel. Sei es im politischen oder im gesellschaftlichen Leben. Ein Grundübel für ein unbefreites Leben sieht er in der Unsterblichkeit der Seele. Daher widmet er sich denn auch ausführlich dieser Problematik im dritten Buch seines Werkes.

Gleichwohl der „traditionelle Götterglaube“ im hellenistischen Zeitalter zusehends verblaßte und die Epikureer die Meinung vertraten, „daß die Götter sich um das irdische Geschehen in keiner Weise kümmerten“, blieben die Kulte um die Götterwelt weiterhin erhalten. Die Furcht vor den Göttern hatte ihren stärksten Glauben, in dem Weiterleben der Seele nach dem Tod und den dort auferlegten Strafen. Diese Strafen resultierten aus dem praktizierten Leben des Verstorbenen. Daraus resultiert die immens wichtige These der Epikureer und damit auch von Lukrez: die Seele ist sterblich. Diese Annahme ist ein entscheidender Schritt „zur Ausgeglichenheit und Unerschütterlichkeit des Gemüts“ und dem damit verbundenen ruhigen Leben. Diese Auffassung steht hierdurch in der Opposition zur platonischen Auffassung von der Unsterblichkeit der Seele. Nach Platon soll der Mensch „glauben, dass er sich für sein Verhalten einmal rechtfertigen soll.“ Diesen Rechtfertigungsgedanken entzieht Lukrez aber die Grundlage mit seiner These von der Sterblichkeit der Seele.

Auch standen die eschatologischen Vorstellungen der Epikureer im Widerspruch zu dem Glauben der Römer. Für den Römer lebte der Tote in den Gräbern und demnach kam ihm auch eine Fürsorgepflicht seitens der Hinterbliebenen zuteil. So mussten denn auch Totenfeste gefeiert werden, die zur Ehrung des Toten dienten. Auch wenn im Umgang mit dem Toten keine Ängste auftraten, wurde dennoch die Vernachlässigung der Opfergaben für den Toten gefürchtet. Vernachlässigungen beschworen nämlich die rächenden Totengeister, die Lemuren, herauf. Zur Besänftigung gab es spezielle Rituale, die am Fest der Lemuria am 9. ,11. und 13. Mai vollzogen wurden.

Der Tod bedrängt somit den gemeinen Römer von allen Seiten und solange er sich nicht von der Vorstellung trennt, dass die Seele und der Körper sterblich sind, wird er schwerlich ein zufriedenes Leben führen können.

Als Grundlage für die Untersuchungen der Argumente von Lukrez für die Sterblichkeit der Seele dient die Übersetzung von Josef Martin.